Das alimentäre Lymphom der Katze

Häufigste Krebsart bei Samtpfoten

Flecki, eine süße Katze, wurde von ihren Besitzern zum Tierarzt gebracht, weil sie an wiederholtem Erbrechen litt. Zu Beginn dachte man an eine Magenentzündung, ein sofort beim Haustierarzt durchgeführter Bauchultraschall zeigte jedoch eine Umfangsvermehrung im Dünndarm. Nach leichter Sedierung wurde eine kleine Probe mit einer dünnen Nadel von dieser Masse gewonnen und der Tumor konnte als alimentäres Lymphom verifiziert werden. Flecki kam nun zur Behandlung an die Veterinärmedizinische Universität Wien. Die Symptome des sehr bösartigen alimentären Lymphoms sind Erbrechen, Durchfall, Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit.

Flecki ist kein Einzelfall

Nach chronischen Nierenerkrankungen sind Tumorerkrankungen zurzeit die zweithäufigste Todesursache bei älteren Katzen. So stirbt ein Drittel aller älteren Katzen an einem bösartigen Tumor. An der Spitze der bösartigen Tumore steht das Lymphom, ein Krebs des Immunsystems. Bei diesem Krebs entarten spezielle Zellen der weißen Blutkörperchen,
die sogenannten Lymphozyten. Da Lymphozyten als Abwehrzellen im gesamten Körper vorkommen, kann die Tumorerkrankung Lymphom in jedem Organ entstehen. Mit Abstand am häufigsten entsteht das Lymphom bei unseren Stubentigern jedoch im Magen- oder Darmtrakt. Diese Form wird als alimentäres Lymphom bezeichnet.

Bauchultraschall für Früherkennung wichtig

Ein ganz entscheidendes Hilfsmittel, um einen Hinweis auf diese im Bauch versteckte Tumorerkrankung zu bekommen, ist der Ultraschall. Daher sollten aufmerksame Besitzer, die wiederholt Erbrechen oder Durchfall oder auch „nur“ Gewichtsverlust oder vermehrte Appetitlosigkeit bei ihrem Liebling bemerken, unbedingt einen Bauchultraschall durchführen lassen. Je weniger weit die Erkrankung fortgeschritten ist, desto besser ist die Prognose. Das Lymphom hat nämlich leider die Tendenz, sich sehr rasch auszubreiten, sodass oft zum Zeitpunkt der Diagnose nicht nur der Magen oder Darm, sondern auch schon viele Lymphknoten im Bauch, Niere, Leber und weiteren Organen bis hin zum Knochenmark befallen sein können.

Chemotherapie als wichtigste Therapieform

Die Therapie der Wahl beim Lymphom ist die Chemotherapie, die durchschnittlich sechs Monate dauert. Die Medikamente kommen über das Blut in alle Körperorgane und sollen eine Reduzierung der Tumorzellen bewirken. Eine Heilung kann bei dieser Erkrankung nicht erreicht werden. Oberstes Ziel in der Veterinärmedizin ist es, das Leben der betroffenen Katzen bei guter Lebensqualität zu verlängern. Die Zeit während der Chemotherapie sollte keine „verlorene Zeit“ darstellen, sondern das Befinden der Katze sollte sich unter Chemotherapie verbessern. Daher wird die Dosis der Chemotherapeutika so gewählt, dass es bei der Mehrheit der Katzen zu keinen oder nur milden Nebenwirkungen kommt. Als seltene Nebenwirkung können Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitverminderung oder Mattigkeit auftreten. In letzter Zeit wird auch beim alimentären Lymphom mehr und mehr zusätzlich zur Chemotherapie eine Bestrahlungstherapie verabreicht. Dabei wird der gesamte Bauch der Katze unter Kurznarkose an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bestrahlt. Die Prognose beim alimentären Lymphom ist als eher ungünstig einzustufen. Ohne Therapie müssen viele Tiere oft innerhalb weniger Wochen eingeschläfert werden.

Unterschiedlich aggressive Lymphomtypen

Erschwerend kommt bei dieser für Besitzer und Tierarzt oft frustrierenden Erkrankung dazu, dass leider nicht „das“ Lymphom, sondern verschiedenste Lymphomtypen vorkommen können, die sich biologisch unterschiedlich aggressiv verhalten, wodurch es
auch trotz Therapie zu sehr variablen Überlebenszeiten kommen kann. Voraussetzung, um diese diversen Lymphomtypen diagnostizieren zu können, ist die Untersuchung eines größeren Gewebestückes durch einen Pathologen. Um diese Gewebeprobe aber gewinnen zu können, müssen die Tiere auf jeden Fall vor Therapiebeginn operiert werden. Nachdem die allermeisten Katzen aufgrund von unsicherer Prognose, schlechtem Allgemeinzustand oder zu hohen Kosten nicht operiert werden, ist auch heute noch vieles über die möglichen Lymphomtypen und deren beste Behandlungsstrategien bei Katzen unbekannt. Aus diesem Grund läuft an der Veterinärmedizinischen Universität Wien derzeit eine Studie zum Alimentären Lymphom der Katze, für die noch weitere samtpfötige Patienten gesucht werden.

 

Klinische Studie zum alimentären Lymphom der Katze

Um viele wichtige Fragen bei dieser für die Katze so bedeutenden Erkrankung zu klären, wurde letztes Jahr an der onkologischen Abteilung der Veterinärmedizinischen Universität Wien eine klinische Studie an Katzen, die an einem alimentären Lymphom erkrankt sind, gestartet.
In dieser Studie soll durch eine operative Entnahme von Tumorgewebe aus dem Magen oder Darmtrakt mit nachfolgender pathologischer Untersuchung eine genaue Diagnostik des Lymphomtyps gewährleistet sein.
Das gibt uns die Möglichkeit, weniger aggressive Tumore sicher zu erkennen und diese mit einer wesentlich milderen Chemotherapie – z.B. nur mit Tabletten anstatt mit Infusionen – zu behandeln. Bei hochgradig aggressiven Lymphomtypen wird mit intensiveren Chemotherapeutika und Bestrahlungstherapie gearbeitet. Und es wird eruiert, welche Behandlung für den jeweiligen Lymphomtyp die beste ist. Durch wiederholte klinische Untersuchungen und Ultraschallkontrollen kann der Therapieerfolg genauer beurteilt werden und bei Bedarf auch schneller mit einer Therapieumstellung für die Katze begonnen werden. Langfristiges Ziel ist es, individuell zugeschnittene Therapiepläne anstelle einer Einheitstherapie für alle Katzenpatienten zu etablieren. Dadurch soll es zu einer Lebensverlängerung der betroffenen Samtpfoten bei guter Lebensqualität kommen.

Die anfangs erwähnte Katze Flecki ist schon seit letztem Jahr Teilnehmerin der Lymphomstudie. Sie wurde operiert, im Anschluss daran sechs Monate chemotherapiert und zweimal bestrahlt. Sie hat alle Therapieformen gut vertragen, und obwohl bei ihr ein prognostisch schlechter hochaggressiver Lymphomtyp diagnostiziert wurde, erfreut sie sich ihres Lebens nun schon seit über einem Jahr nach Diagnosestellung.

Wenn Sie mit Ihrer Katze an der Studie teilnehmen oder nähere Informationen darüber haben wollen, melden Sie sich bitte bei Privatdozentin Dr. med. vet. Birgitt Wolfesberger
Ambulanz für Onkologie, Abteilung für Interne Medizin, Department für Kleintiere und Pferde,
Veterinärmedizinische Universität Wien
Tel. 01/25077/6515 oder 01/25077/6519
E-Mail: Birgitt.Wolfesberger@vetmeduni.ac.at

Für Teilnehmer an der Studie über das alimentäre Katzenlymphom sind Operation, Chemotherapie und Bestrahlungstherapie kostenlos.

Privatdozentin
Dr. med. vet. Birgitt Wolfesberger
Ambulanz für Onkologie, Abteilung für Interne Medizin, Department für Kleintiere und Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien