Hauterkrankungen bei Meerschweinchen

Parasiten, Pilze und  Hormone als Verursacher

Meerschweinchen-Haut weist im Vergleich mit anderen Haustieren einige Besonderheiten auf. So sprießen bei diesen possierlichen Tierchen hinter den Ohren keine Haare, die Haut dort ist kahl. Und im Gegensatz zu anderen Tieren wie beispielsweise Maus, Ratte, Katze oder Hund, haben Meerschweinchen keinen saisonalen Haarwechsel im Frühling und Herbst, sondern die Haare wachsen ständig nach und die alten Haare fallen aus – nicht anders als bei uns Menschen. Eine weitere Besonderheit ist das sogenannte Suprakaudalorgan im Bereich der Hüfte. Das ist eine Drüse, die ein fettiges Talgdrüsensekret produziert. Leider können auch Meerschweinchen an Hauterkrankungen leiden. Krankhafter Haarausfall, vermehrter Putztrieb, Juckreiz sowie kahle, krustige Hautveränderungen sind die Symptome, die dem Tierbesitzer auffallen. Die Ursachen dafür sind unterschiedlich, an erster Stelle sind aber Ektoparasiten (Parasiten, die auf der Haut leben) für die Veränderungen verantwortlich.

Befall mit Haarlingen

Haarlinge leben im Haarkleid ihres Wirtstieres und ernähren sich von Haut und Hautausscheidungen. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über den Kontakt mit erkrankten Tieren. Meerschweinchen zeigen beim Befall mit Haarlingen Juckreiz, schuppige Hautbeläge und ein struppiges Haarkleid. Man kann diese Parasiten bzw. ihre Eier auch mit bloßem Auge am Fell erkennen.

Krank durch Räudemilben

Meerschweinchen-Räude verursacht hochgradigen Juckreiz, der in schlimmen Fällen bis hin zu Anfällen – ähnlich epileptischen Anfällen – führen kann. Betroffene Tiere leiden unter Haarausfall, Abschürfungen der Haut, krustigen Belägen sowie einer Verdickung der Haut. Häufig magern befallene Tiere ab und sind lethargisch. Mit Hilfe einer mikroskopischen Untersuchung wird die Art der Milbe bestimmt.

Bei einem Befall mit Parasiten ist immer eine antiparasitäre Behandlung durchzuführen. Zusätzlich sollten immer die Umwelt- und Haltungsbedingungen kontrolliert und nach Möglichkeit verbessert werden. Parallel kann man Mittel zur Steigerung der Abwehr des Immunsystems verabreichen.

Stress fördert Pilzerkrankungen

Meerschweinchen leiden häufig an Pilzerkrankungen (Dermatophytose). Pilzbefall tritt vor allem bei gestressten und mangelhaft gefütterten Tieren auf. Pilze sind ansteckend für den Menschen und andere Tiere und sollten daher immer gründlich abgeklärt und fachgerecht behandelt werden. Das Meerschweinchen, andere Tiere und auch der Mensch stecken sich durch direkten Kontakt mit einem betroffenen Patienten (mit oder ohne klinische Symptome) an. Betroffene Tiere zeigen Hautveränderungen, die oft durch einen Entzündungswall in Form eines dünnen roten Saumes vom gesunden Gewebe abgegrenzt sind. Die befallenen Hautstellen sind haarlos und meist schuppig; in einigen Fällen sieht man auch nässende, krustige Ekzeme. Sehr häufig findet man schuppige Stellen auf dem Rücken, die Haare lassen sich hier leicht auszupfen. Die Diagnose erfolgt durch den Tierarzt mittels einer Spezial-Lampe, einer Untersuchung der Haare im Mikroskop sowie einer Pilz-Kultur bzw. PCR-Untersuchung im Labor. Die Behandlung mit Medikamenten erfolgt über mindestens 6 Wochen. Parallel sollte immer die Umgebung mitbehandelt werden.

Hormoneller Haarausfall

Haare, Haut und Hormone hängen nicht nur beim Menschen eng zusammen, sondern auch beim Tier. So zeigen weibliche unkastrierte Meerschweinchen häufig einen symmetrischen Haarausfall im Flankenbereich, welcher sich auf die Hinterbeine und den Bauch ausdehnen kann. Es besteht kein Juckreiz. Verursacht wird diese Erkrankung durch hormonell aktive Eierstockzysten, die man häufig auch durch die Bauchdecke tasten kann. Weiterführende Untersuchungen wie Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen erleichtern die Diagnosestellung. Ein dauerhafter Therapieerfolg wird durch die Kastration erreicht. Alternativ kann man diese Erkrankung mit Hormonen behandeln – z.B. einem Hormonchip.

Dr. med.vet. Claudia Kreil-Ouschan
Fachtierärztin für Dermatologie
Gewerbepark 2
9131 Grafenstein
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