Kaninchen richtig halten

Was Langohren brauchen, um sich wohl zu fühlen

Kaninchen werden immer wieder fälschlich als „Häschen“ bezeichnet, sind jedoch keine. Sie gehören zwar zur Ordnung der Hasenartigen, stammen jedoch vom Wildkaninchen und nicht vom Feldhasen ab. Wildkaninchen sind kleiner und leichter als Hasen, ihre Ohren sind kürzer, Kaninchenjunge werden nackt und blind als Nesthocker geboren, während Hasenjunge behaart und sehend als Nestflüchter zur Welt kommen. Im Gegensatz zu den ungeselligen Hasen leben Wildkaninchen gesellig in Kolonien. Während Kaninchen als Grabtiere unterirdische Erdbauten bewohnen, sind Hasen Lauftiere und leben oberirdisch.
Information vor Anschaffung
verhindert Tierleid

Bevor man sich zum Kauf von Kaninchen entschließt, ist die umfassende Information über die Bedürfnisse und Ausdrucksmöglichkeiten sowie das Verhaltensrepertoire dieser Tiere ein Muss.

  • Die Einzelhaltung von Kaninchen ist strikt abzulehnen! Ist eine Haltung mehrerer Tiere nicht möglich, muss zumindest geruchlicher, akustischer und visueller Kontakt zu anderen Kaninchen möglich sein. Jungtiere dürfen mit Ausnahme kranker oder verletzter Tiere nicht in Einzelhaltung gehalten werden. Die Haltung zu zweit ist das Minimum, dem Leben in der freien Natur entspricht jedoch die Gruppenhaltung.
  • Kaninchen sind – im Gegensatz zur landläufigen Meinung – keine geeigneten Haustiere für kleine Kinder. Denn sie sind keine Kuscheltiere und wollen als Fluchttiere im Allgemeinen nicht hochgehoben werden. Erst von Kindern ab dem Teenageralter kann man eine artgerechte Behandlung dieser kleinen Langohren erwarten.
  • Handelsübliche Käfige erfüllen die Ansprüche von Kaninchen an ein artgerechtes Leben nicht. Sie sind zu klein. Es ist daher unbedingt notwendig, um den Käfig herum einen Auslauf anzulegen, der allen Tieren genügend Platz bietet und permanent zugänglich ist. Es muss die Möglichkeit zum Hoppeln und Hüpfen, zum „Männchen machen“, zum ausgestreckten Liegen und für Bewegungsspiele bestehen. Denn auch erwachsene Kaninchen spielen noch gerne, und obwohl jedes für sich spielt, wirkt die Freude am Bewegungsspiel ansteckend, und die anderen machen mit. Ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten müssen vorhanden sein.
  • Kaninchen sind sehr hitzeempfindlich; die ideale Umgebungstemperatur sollte zwischen 10 und 20 Grad Celsius liegen.

Ansprüche an die Ausstattung

Der Wohnbereich der Kaninchen muss in Bereiche mit unterschiedlichen Funktionen gegliedert werden: Benötigt werden ein Fress- und Aktivitätsbereich, Ruhe- und Rückzugsbereiche und ein extra Toilettenbereich – Kaninchen suchen immer den gleichen Platz zum Harn- und Kotabsatz auf und können daher stubenrein werden. Als Höhlenbewohner ziehen Kaninchen ein mehrstöckiges Kaninchenhaus einem Käfig vor. In jedem Fall sollten diverse Häuschen und Tunnelsysteme zur Verfügung stehen. Rollen aus Pappendeckel ergeben Tunnels zum Durchkriechen. Besonders interessant wird es, wenn ein Ende der Rolle mit Papier zugestopft ist: Dann stellt sich den Tierchen die Aufgabe, den Ausgang aus dem Tunnel aufzugraben. Und da Kaninchen leidenschaftlich gerne graben, brauchen sie auch Buddelkisten mit Sand, Erde, Schnipseln aus Papier oder Stroh. Zum Benagen eignen sich ungespritzte Weiden- oder Obstbaumäste und Holznageblöcke.

Auslauf erwünscht

Täglicher Freilauf im gut gesicherten Garten oder in der Wohnung wird von Kaninchen sehr geschätzt. Denn schnelle Runden drehen, hakenschlagen und Luftsprünge vollführen hält gesund. Aber Achtung auf Strom- und Telefonkabel! Damit die kleinen Langohren nichts zerstören und nichts Gesundheitsschädliches verschlucken, ist in der Wohnung ein kaninchensicherer Innenauslauf oder ein eigenes auf Gefahrenquellen gescanntes Kaninchenzimmer ideal.

Kaninchen sind soziale Tiere

In der Natur leben Kaninchen in Familiengruppen, die aus ungefähr ein bis drei Männchen, sechs bis acht Weibchen und den Nachkommen bestehen. Wenn die Nachkommen geschlechtsreif werden, bleiben die weiblichen Nachkommen üblicherweise in der Gruppe, die männlichen wandern ab. Die Rangordnung ist streng, es herrscht eine strikte Dominanzhierarchie – jeweils eine innerhalb der weiblichen Tiere und eine innerhalb der männlichen. In der Haustierhaltung bestimmt der Mensch die Anzahl der Tiere und die Zusammensetzung der Gruppe: Kastration verhindert unerwünschten Nachwuchs und Rivalenkämpfe. Friedliches Sozialverhalten kann man auch bei als Haustier gehaltenen Kaninchen beobachten: Die Tierchen sitzen oder liegen nebeneinander, halten Körperkontakt und belecken sich gegenseitig das Fell.

Meerschweinchen als Partner nicht geeignet

Von der gemeinsamen Unterbringung mit Meerschweinchen ist abzuraten, da diese eine andere Körpersprache als Kaninchen haben. So ist beispielsweise das Anstupsen mit der Nase bei Kaninchen ein Ausdruck von Freundlichkeit. Meerschweinchen zeigen dasselbe Verhalten dagegen bei
Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen.

Dem Kaninchen zuhören

Kaninchen sind nicht stumm! Die kleinen Langohren geben leise und tiefe Laute von sich, bei extremer Angst oder bei Schmerz können sie auch schreien. Ein typisches Alarmsignal ist das Trommeln mit den Hinterbeinen. Wenn Kaninchen drohen, knurren sie leise. Klappern sie nur leise mit den Zähnen, bedeutet dies Entspanntheit. Knirschen sie jedoch laut mit den Zähnen, ist dies ein Hinweis auf Schmerz und Erkrankung – oft im Zusammenhang mit einem typischen „Schmerzgesicht“.

Richtiger Umgang mit dem Kaninchen

Für eine gute Mensch-Tier-Beziehung ist es wichtig, die Körpersprache des Kaninchens richtig zu deuten: Entspannte Langohren liegen mit ganz oder halb geschlossenen Augen und entspannten Ohren ausgestreckt in Seitenlage. Auch interessiertes Erkundungsverhalten ist ein Zeichen dafür, dass das Kaninchen entspannt ist und sich wohlfühlt. Anzeichen für Stress und Furcht sind Weglaufen und Verkriechen. Ist dies nicht möglich, kann auch das sogenannte „Einfrieren“ – das Kaninchen drückt sich in geduckter Haltung mit anliegenden Ohren und weit aufgerissenen Augen an den Boden – oder auch eventuell Aggression gegen den Menschen auftreten.
Da, wie schon anfangs erwähnt, die meisten Kaninchen als typische Fluchttiere nicht aufgehoben werden wollen, ist es wichtig, es im Fall des Falles richtig zu machen: Eine Hand stützt das Becken des Tierchens, die zweite Hand hält es vorne am Brustkorb.
Für eine gute Mensch-Kaninchen-Beziehung ist es wichtig, dem Langohr die Kontrolle zu überlassen.

Artgerechtes Futter hält gesund

Kaninchen sind reine Pflanzenfresser und darauf ausgerichtet, das Maximum an Nährstoffen aus karger Nahrung zu holen. So fressen sie auch ihren Blinddarmkot, der noch Nährstoffe und Vitamine enthält, die dann sozusagen im zweiten Durchgang verwertet werden. Da Zwergkaninchen 60 bis 80 Mahlzeiten innerhalb von 24 Stunden zu sich nehmen, muss ständig Futter vorhanden sein. Der Grund für die extrem häufige Futteraufnahme ist folgender: Die Muskulatur des Verdauungstraktes ist sehr schwach ausgebildet, so dass der Weitertransport des Mageninhaltes nur durch erneute Futteraufnahme und Nachschub möglich ist. Dies ist auch der Grund, warum Kaninchen vor einer Operation nicht ausgenüchtert werden dürfen. Langohren brauchen als Grasfresser Nahrung mit einem hohen Rohfaseranteil. Stellen Sie daher immer unbegrenzt gutes Heu zur Verfügung – es ist die natürliche Nahrungsgrundlage. Durch die Nahrungsaufnahme sowie Benagen von geeigneten Materialien wie ungiftigen Zweigen werden die lebenslang nachwachsenden Zähne abgerieben. Bei mangelhaftem Abrieb der Zähne durch zu wenig rohfaserhaltiges Futter kann es zu Zahnfehlstellungen kommen. Zusätzlich zum Heu sollten die Tiere frisches Grünfutter wie zum Beispiel Gras, Wiesenkräuter oder Löwenzahn bekommen. Auch Wurzeln, Blätter, Baumrinde, Blüten und Knospen sowie Salate und strukturreiche Gemüsesorten sind geeignet. Karotten, Gurken und Fenchel sind beliebte und gesunde Leckerbissen. Obst sollte nur selten und in geringem Ausmaß angeboten werden. Die im Handel erhältlichen Fertigfuttermischungen enthalten häufig zu fette oder zu süße Futteranteile. Diese schmecken sehr gut und werden daher von den Tieren aus dem Futter herausgepickt, während die gesunden rohfaserreichen Nahrungsteile verschmäht werden. Fehlernährung und Fettleibigkeit sind die Folge davon. Auch die Bildung von Harnsand und Harnsteinen wird durch Fehl-ernährung begünstigt. Getreidefreies Futter ist vorzuziehen, die meisten im Handel erhältlichen Leckerlis sind nicht geeignet. Trinkwasser muss immer vorhanden sein!

Dr. Ines Windschnurer
ist Mitarbeiterin des Instituts
für Tierhaltung und Tierschutz
der Vetmeduni Vienna