Papageien: Gesund durch artgerechte Haltung

Soziale Bedürfnisse müssen erfüllt werdenAls buntgefiederte und aufgeweckte, hoch intelligente Vögel bringen die Bewohner des Papageienheims ein wenig Farbe in die äußerlich so grau anmutende Umgebung auf dem Gelände des Wiener Tierschutzhauses in Vösendorf. Die „Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz“ setzt in ihrer Arbeit zahlreiche Akzente, um ihnen ein artgerechtes Leben zu bieten. Dabei stehen die sozialen Beziehungen zwischen den Papageien, eine ihren Fähigkeiten und Vorlieben entsprechende Beschäftigung und eine ausgewogene Ernährung im Mittelpunkt. All dies bedeutet nicht nur ein unersetzliches Stück Lebensqualität für die Papageien, sondern auch aktive Gesundheitsvorsorge. Über deren Bedeutung, über die häufigen „Zivilisationskrankheiten“ der gefiederten Wildtiere und die notwendige Pflege im Bedarfsfall sprach „mein HAUSTIER“ mit Mag. Nadja Ziegler, Gründerin und Präsidentin der „Arbeitsgemeinschaft Papageienschutz“.

Frage: Die artgerechte und den sozialen Bedürfnissen entsprechende Haltung der Papageien gehört nicht zuletzt zu einer aktiven Gesundheitsvorsorge! Wie lässt sich dieser Zusammenhang erklären?

Mag. Nadja Ziegler: Die Papageien müssen ihr Sozialverhalten ausleben können und das geht letztlich nur mit einem Artgenossen. Dafür gibt es keinen adäquaten Ersatz. Wie wir Menschen tierische Freunde haben, können auch Papageien andere tierische Freunde oder Menschenfreunde haben. Es gibt viele Freundschaften über die Arten hinweg, aber die wirkliche Bestimmung ist der Artgenosse. Mit der Vergesellschaftung steigt das Selbstbewusstsein der Papageien. In der Folge haben die Tiere weniger Stress, das Immunsystem kann besser arbeiten, und die Vögel sind weniger krankheitsanfällig. Ein Tier, das sich sicher fühlt, hat weniger Stress und somit auch ein stärkeres Immunsystem. Viele Vögel kommen als schüchterne und in sich gekehrte Tiere zu uns, das ist an ihrem Gesichtsausdruck, an der Körperhaltung, an der Bewegung erkennbar! Ein unsicherer Vogel verhält sich sehr ruhig, ein sicherer Vogel bewegt sich, ist neugierig und interessiert, fliegt in die Freivolieren… All diese Aspekte einer „gesunden Lebensweise“ führen zu einer Stärkung des Immunsystems und erhalten das Wohlergehen.

Welche gesundheitlichen Probleme stehen bei den Papageien, die an der Station übernommen werden, im Mittelpunkt?

Mag. Nadja Ziegler: Ein Schwerpunkt der haltungsbedingten Probleme ist vor allem eine falsche Ernährung, die häufig zur Aspergillose, einer Pilzerkrankung der Lungen und Luftsäcke führt. Dabei können sich in diesen Luftsäcken richtige Pilzrasen entwickeln. Im Röntgenbild stellen sich diese Veränderungen als Schatten dar. Im Spätstadium der Erkrankung sterben die Vögel an den Giften, die die Pilze absondern, und in der Obduktion verstorbener Tiere sehen die betroffenen Luftsäcke dann wie ein schimmeliges Brot aus. Schuld an dieser Erkrankung ist eine falsche Ernährung mit klassischer Körnernahrung und Erdnüssen. Insbesondere Erdnüsse sind von einem starken Pilzbefall betroffen, das ist auch der Grund für die zahlreichen Erdnussallergien beim Menschen. Die Erdnüsse, die für Tiere verkauft werden, sind noch einmal von schlechterer Qualität als die für den menschlichen Verzehr bestimmten. Papageien brauchen keine Erdnüsse! Wenn dann noch Bewegungslosigkeit, Rauchluft und Partnermangel hinzukommen, entwickelt sich ein multifaktorielles Geschehen, das diese schleichende Erkrankung verursacht, die meist auch zu spät erkannt wird.

Woran erkennt man die Erkrankung?

Mag. Nadja Ziegler: Viele Besitzer übersehen zum Beispiel, dass die Vögel mit halb geöffnetem Schnabel dasitzen, um Luft zu bekommen. Vögel in Einzelhaltung, die gesetzlich ohnehin verboten ist, werden nicht artgerecht gefordert. So können sie manchmal länger dahinvegetieren als ein Vogel in einer Gruppe, der sozial gefordert ist und aktiv sein muss. In der Gruppe müssen sich die Papageien um ihr Futter kümmern, mit den anderen kommunizieren. Das ist zwar ein positiver Stress, aber für einen geschwächten Vogel ist das unter Umständen bereits zu viel. So sind wir im Laufe der Jahre immer vorsichtiger mit der Vergesellschaftung von Neuankömmlingen geworden. Bei jedem Neuankömmling, den wir übernehmen, gehören zum Eingangscheck ein Röntgen und ein Bluttest, und dann schauen wir, zunächst nur stundenweise, wie der Vogel mit der neuen Situation in der Gruppe zurechtkommt. Die Aspergillose ist eine chronische Erkrankung, die sich im Sommer mit höherer Luftfeuchtigkeit verbessert, und im Winter oft wieder aufflammt, das hängt vom Stadium ab. Manche unserer Papageien benötigen jeden Winter eine dreiwöchige Therapie, was natürlich auch einen Kostenfaktor darstellt. Bei vielen Vögeln stellen wir auch hohe Harnsäurewerte fest, die auf Nierenschädigungen hindeuten. Die meisten Krankheiten sind ernährungsbedingt, aber auch immer in Zusammenhang mit der sonstigen Haltung zu sehen. Das Immunsystem der Papageien leidet auch in Wohnungen ohne genügend UVLicht, was bei den Papageien zu verschiedensten Mangelerscheinungen führen kann.

Gehören Nierenschädigungen ebenso wie Herzerkrankungen eher zu den Krankheitsbildern älterer Vögel?

Mag. Nadja Ziegler: Ja, viele Papageien benötigen dann beispielsweise eine spezielle Medikamentenmischung, die das Herzkreiskauf-System anregt. Ältere Tiere brauchen oft ähnlich wie ältere Menschen eine regelmäßige Medikamentengabe. Dabei ist aber auch zu beachten, dass Papageien mit ca. 10 bis 20 Jahren eine wesentlich längere Altersphase haben als beispielsweise ein Hund. Das ist immer relativ zu sehen. Ein wirklich alter Vogel ist über 45 Jahre alt. Wir haben eine Amazone, Jakob, der 45 Jahre allein in einem Rundkäfig gelebt hat. Jakob wurde bei uns dann erstmals vergesellschaftet – zuerst mit einem Männchen namens Nils. Nils aber litt bald unter Arthrosen – auch bei alten Vögeln ein wichtiges Thema – und benötigte mehr Wärme, so dass er zu uns in den Pflegeraum umzog. Jakob wurde dann mit einem Weibchen vergesellschaftet, mit dem er zwei Jahre zusammenlebte. Sie ist leider verstorben, und Jakob trauerte um seine tote Partnerin. Schließlich haben wir ihn wieder zu Nils gegeben, und beide begrüßten sich wie alte Bekannte. Jetzt sitzen sie zusammen im etwas wärmeren Pflegeraum, der eine mit Arthrose, der andere alt – mit 45 zu uns gekommen, mit 47 verwitwet, aber heute durchaus wieder lustig unterwegs.

Sie sprechen von Trauer – wie gehen diese hochsozialen Tiere mit dem Abschied am Lebensende um?

Mag. Nadja Ziegler: Selbst wenn wir einen Vogel nur einfangen möchten, um ihn beispielsweise zum Tierarzt zu bringen, beginnt der Partner bereits, ihn zu verteidigen. Dieses Verhalten ist vor allem bei den Aras stark ausgeprägt. Der Partner versucht, den anderen Vogel zu umarmen und festzuhalten. Oft sind das berührende Szenen. Wir können nicht in die Köpfe der zurückgebliebenen Tiere schauen, aber wir nehmen an, sie warten und schauen, wann er zurückkommt. Sie senden Kontaktrufe aus, die natürlich in diesem Moment unbeantwortet bleiben. Wenn einer der Partner verstirbt und keine Infektionsgefahr besteht, bringen wir das tote Tier zurück, zeigen es dem Partner und legen es zu ihm. Oft sitzen die Papageien stundenlang neben ihrem verstorbenen Partner, kraulen ihn und zeigen manchmal ein Verhalten, als wollten sie ihn zum Leben erwecken. Eine echte Anteilnahme ist in diesen Momenten spürbar – berührend. Nach ein paar Stunden gehen sie weg, und man sieht, dass sie das Geschehene nun verstanden haben. Dann folgt in der Regel eine Trauerphase. Wir lassen den Vögeln zehn bis 14 Tage Zeit, bevor wir eine neue Vergesellschaftung versuchen, zu der sie dann auch meist wieder bereit sind. Manche Tierhalter sind der Meinung, dass ein Vogel keinen Partner mehr braucht, wenn er selbst schon alt ist und der langjährige Lebensgefährte stirbt. Das stimmt nicht. Gerade der Vogel, der die Partnerschaft kannte, braucht auch mit 30 oder 40 Jahren noch einen neuen Partner. Das Gesetz schreibt es ohnehin vor, aber man sollte es in erster Linie für das Tier tun. Auch verwitwete Papageien wollen wieder vergesellschaftet werden!

von Kerstin Piribauer

 


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