Tumorerkrankung beim Kaninchen

Früherkennung erhöht Chance auf Heilung

Genau wie Hunde und Katzen werden auch als Heimtiere gehaltene Kaninchen immer älter. Proportional zum Alter steigt leider auch die Anzahl an langohrigen Tumorpatienten in den Tierarztpraxen. Da die Symptome bei Tumorerkrankungen sehr vielfältig und unspezifisch sein können, ist es wichtig, auch bei Kaninchen zumindest einmal im Jahr – zum Beispiel bei der jährlichen Impfung – eine gründliche Gesunden-Untersuchung durchzuführen. Denn je früher ein Tumor erkannt und eingestuft wird, desto größer ist die Chance das Tier zu heilen.

Unklare Symptome erschweren Diagnose

Ein sehr häufiger Tumor bei Kaninchen ist das Lymphom, das – wie schon der Name sagt – vom Lymphgewebe ausgeht. Tiere im Alter von sieben Monaten bis zu 10 Jahren können davon betroffen sein. Da zumeist mehrere Organe gleichzeitig befallen sind, sind die Symptome dementsprechend vielfältig. Lymphknoten, Lunge, Haut, Leber, Milz, Nieren, Magendarmtrakt und Geschlechtsorgane weisen Tumorgewebe auf. Als Symptome fallen dem Tierhalter häufig nur Mattigkeit, Schwäche und Fressunlust auf. Deutliche Hinweise auf die Tumorerkrankung eines bestimmten Organes fehlen meistens. Eher selten findet man Lymphome ausschließlich in einem einzelnen Organ – zum Beispiel nur im Auge. Der Tierhalter bemerkt dann ein Hervortreten des Augapfels oder den Vorfall des dritten Augenlides. Manchmal findet man Lymphome auch in Form von Knötchen in der Haut. Bei der tierärztlichen Untersuchung können vergrößerte Lymphknoten gefunden und die Verdachtsdiagnose „Lymphom“ dadurch untermauert werden. Eine genaue Diagnose wird durch das Zusammenspiel von bildgebender Diagnostik (Röntgen, Ultraschall, Computertomographie) und zytologischer Untersuchung von Zellen, die durch Punktion des Tumors entnommen wurden, erstellt.

Tumoren der Haut immer häufiger

Neben der häufig vorkommenden Hautform des Lymphoms unterscheidet man bei den Hauttumoren gutartige wie zum Beispiel Trichoepitheliome oder sehr bösartige wie das Plattenepithelkarzinom.

Unter Trichoepitheliomen versteht man gutartige, langsam wachsende Tumoren, die der Haarwurzel entspringen. Die chirurgische Entfernung führt meist zur Heilung. Das Plattenepithelkarzinom hingegen ist ein überaus bösartiger Tumor entweder aus der oberen Schichte der Haut oder der Schleimhaut. Leider ist das Plattenepithelkarzinom nach dem Lymphom der zweithäufigste Hauttumor des Kaninchens. Je früher dieser bösartige Tumor entdeckt und chirurgisch entfernt wird, desto bessere Chancen zu überleben hat das Kaninchen.

Tumoren der Geschlechtsorgane

Weibliche Kaninchen leiden wesentlich häufiger an Tumoren der Geschlechtsorgane als männliche Tiere. Während Rammler meist erst im fortgeschrittenen Alter von gutartigen, nicht schmerzhaften Vergrößerungen der Hoden betroffen sind, findet man beim weiblichen Kaninchen häufig bösartigen Gebärmutterkrebs. Bereits ab dem dritten Lebensjahr findet man diesen bei einer großen Anzahl untersuchter weiblicher Kaninchen. Für die Häufigkeit des Auftretens von Gebärmutterkrebs spielt es keine Rolle, ob das Kaninchen schon Junge hatte oder noch nie trächtig war. Bei Tieren, die zur Zucht verwendet werden, machen sich verminderte Fruchtbarkeit, Störungen während der Trächtigkeit und Totgeburten bemerkbar. Von Gebärmutterkrebs betroffene Tiere sind oft matt und haben häufig blutigen Scheidenausfluss. Wird die bei der Untersuchung durch den Tierarzt gestellte Verdachtsdiagnose durch eine Ultraschalluntersuchung erhärtet, empfiehlt sich ein Lungenröntgen, um etwaige Metastasen auszuschließen. Konnte man diese ausschließen, sollte die sofortige chirurgische Entfernung der Eierstöcke und Gebärmutter erfolgen.

Große Fortschritte in der Therapie

Neben der Linderung der durch den Tumor hervorgerufenen Beschwerden des Kaninchens mit Medikamenten, ist – sofern es der Zustand des Tieres und das Stadium der Tumorerkrankung erlaubt – die chirurgische Entfernung des Tumors der erste Therapieschritt. Auch bei Kaninchen kommen heutzutage lebensverlängernde Therapien wie Chemo- und Strahlentherapie zum Einsatz. In einem ausführlichen Beratungsgespräch zwischen Tierarzt und Kaninchenhalter wird entschieden, welche weiterführende Behandlung einerseits die optimale Therapie für das Tier ist und sich andererseits auch mit den Möglichkeiten des Tierhalters vereinbaren lässt.