Was tun, wenn der Hund verschwunden ist?

Er war doch gerade noch da, hinter dem Gebüsch. „Terry, wo bist du denn?“ – „Terry, hierher“ – „Teeerrrryyy“ – „Komm sofort zurück!!!“ Doch von Terry keine Spur. Auch nicht nach zehn Minuten, nach einer halben Stunde…  Der Hund ist weg – ein Albtraum  für jeden Hundehalter. Man lässt in Panik die schlimmsten Vorstellungen Revue passieren:  Von einem  Auto überfahren, von einem Jäger erschossen oder hilflos umherirrend. Woran liegt es, wenn Hunde auf eigene Faust einen Ausflug unternehmen? Wie kann man dem vorbeugen? Und was sollte man in der akuten Situation unternehmen? Grundsätzlich ist kein Hundehalter vor dieser Situation gefeit. Selbst wohlerzogene Hunde machen sich manchmal selbstständig, wenn z.B. ein Rüde eine läufige Hündin wittert oder einen Vierbeiner das Jagdfieber packt.

Warum laufen Hunde weg?

„Die Gründe für einen Hund, vom Besitzer wegzulaufen, können vielfältig sein“, erklärt Mag. Gudrun Braun, Verhaltensbiologin und Cheftrainerin im Wiener Tierschutzhaus. „Sehr oft ist der Hund nicht gut trainiert und hat nicht gelernt, auf Rückruf zu kommen. Bei vielen Rassen ist der Jagdtrieb besonders stark ausgeprägt, sodass das Tier im Jagdfieber seine Umgebung total ausblendet und Herrchens Rufen gar nicht hört. Es kann aber auch an der mangelnden Bindung zwischen Hund und Mensch liegen. Daran muss nicht unbedingt der Hundehalter schuld sein, sondern manchen Rassen ist die Bindung an den Menschen für das eigene Überleben nicht so wichtig“. Schließlich ist nicht selten Langeweile ein Anlass, dass Vierbeiner allein Abwechslung suchen. Wenn Herrchen oder Frauchen  zum Beispiel während des gemeinsamen Spaziergangs ständig telefoniert und dem Hund keine Aufmerksamkeit schenkt, ist für diesen alles andere interessanter als sein zweibeiniger Begleiter. Und natürlich gibt es kein Halten mehr, wenn das Sexabenteuer lockt…

Tipps zur Vorbeugung

Nicht zu 100 Prozent, aber doch in den meisten Fällen kann man verhindern, dass sich der eigene Hund selbstständig macht. Dazu  Tipps von Mag. Braun:

  1. Trainieren Sie den Rückruf, bis er auch unter Ablenkung sehr gut funktioniert. Beginnen Sie in der Wohnung und belohnen Sie mit Leckerlis, danach üben Sie in einer ablenkungsarmen Umgebung und schließlich im Hundepark.
  2. Bleiben Sie für Ihren Vierbeiner (vor allem auf Spaziergängen)  interessant. Spielen Sie mit ihm Suchspiele, verstecken Sie sich hinter einem Baum oder Gebüsch, klettern Sie mit ihm gemeinsam über kleine Hindernisse wie einen querliegenden Baumstamm, etc.
  3. Lassen Sie den Hund  einfach Hund sein. Wenn er regelmäßig in einem sicheren Gelände  mit Artgenossen toben darf und beim Waldspaziergang (an der Leine) ausgiebig  nach Spuren schnüffeln kann, so wird er beim Freilauf  kaum das Bedürfnis haben, diesen im Übermaß auszunützen und seine Freiheit durch Weglaufen voll auszuleben.
  4. Wichtig ist auch das Vertrauen in den eigenen Hund. Das Tier spürt Ihr Vertrauen, Ihre Gelassenheit und fühlt sich wohl und sicher bei Ihnen. Hingegen übertragen sich Ihre Anspannung und Angst auf ihn, Sie vermitteln ihm keine Sicherheit und so hindert ihn nichts, sich einfach selbstständig zu machen.
  5. Mit speziellem Training lässt sich auch der Jagdtrieb umleiten.
  6. Und natürlich ist es immer sinnvoll, an der Bindung zwischen Mensch und Tier zu arbeiten. Die Bindung zu Ihrem vierbeinigen Lebensgefährten können Sie z.B. durch Spielen stärken,  durch Training und andere gemeinsame Unternehmungen.

Registrierung in Datenbanken

Für den Fall, dass Terry und Co doch einmal auf eigene Faust das Weite suchen, sollte man Sicherheitsvorkehrungen treffen, um den Hund möglichst rasch zurück zu bekommen. Eine alte, aber gute Methode ist der Anhänger mit Name und Handynummer, über die man immer und überall erreichbar ist. Bitte darauf achten, dass die Telefonnummer aktuell ist und das Halsband mit dem Anhänger gut sitzt!

Das Halsband mit Anhänger ersetzt jedoch nicht den Mikrochip, den seit 2008 jeder Hund  implantiert haben muss. Zur Erleichterung einer Suche sollte das Tier auch in einer privaten Datenbank  registriert sein. Dr. Herbert Müller von der Datenbank Animal-data.com: „Unser System dient dazu, den Tieren den Weg ins Tierheim zu ersparen. Hat der Hund einen Chip und ist zusätzlich bei uns registriert, so kann die Chipnummer von Tierärzten, Tierrettung, etc. mit einem speziellen Gerät abgelesen werden. Über Eingabe der Chipnummer auf unserer Webseite erfahren diese Stellen dann sogleich, wem der Hund gehört. Zusätzlich erhält jeder Besitzer, dessen Hund bei uns registriert ist, einen Notfallanhänger zugeschickt.

Darauf finden  sich unsere Notruf-Telefonnummer und eine Registrierungsnummer. Private Personen, die einen Hund finden, rufen die angegebene Notrufnummer an und teilen uns die auf dem Anhänger vermerkte Registrierungsnummer mit. Damit erfahren sie Namen und Telefonnummer des Besitzers und können diesen umgehend verständigen.“ Da Animaldata.com mit den beiden internationalen Suchmaschinen www.petmaxx.com und www.europetnet.com vernetzt ist, funktioniert die Tiersuche auch im Ausland. Gerade in der Urlaubszeit werden auf diese Weise immer wieder entlaufene Hund zum Besitzer zurückgeführt.

Vorsicht, Registrierungsdschungel!

Die Registrierung bei einer privaten Datenbank für die Suche nach einem vermissten Tier ist allerdings nicht zu verwechseln mit der seit 2008 ebenfalls verpflichtenden Registrierung in der amtlichen Heimtierdatenbank Petcard. Petcard ist keine allgemeine Suchmaschine, nur Amtstierärzte, Bezirksverwaltungsbehörden und die Exekutive haben das Recht, Daten dieser Datenbank abzufragen. Tierarzt, Tierheim, Tierrettung haben hingegen keine Möglichkeit, dort Einblick zu nehmen.

Mikrochip, amtliche Registrierung, Anmeldung für die Hundesteuer, Registrierung bei einer privaten Datenbank – alles etwas verwirrend?

Damit Sie wissen, wie Sie vorgehen müssen, hier ein kleiner Leitfaden durch den Hunde-Registrierungsdschungel:

  1. Chip: Gesetzlich vorgeschrieben. Züchter, Tierheim oder Besitzer veranlassen das Implantieren des Mikrochips, das nur durch einen Tierarzt durchgeführt werden darf.
  2. Amtliche Meldestelle für Haustiere Petcard (www.petcard.at). Die Registrierung ist verpflichtend, nur Behörden dürfen Einblick nehmen
  3. Anmeldung für die Hundesteuer beim Magistrat wie bisher.
  4. Registrierung des Hundes bei einer privaten Datenbank, um bei Verlust des Tieres die Suche zu erleichtern bzw. die Rückführung zum Besitzer zu beschleunigen.
  5. Verhalten im Ernstfall

Terry ist nun also verschwunden. Wie sollte sein Besitzer reagieren?

  • Nicht schreien oder rufen, das ist für den Hund nur ein leises Radio, das er in der Ferne hört und damit ist für ihn alles in Ordnung: Kein Problem. Frauchen ist in der Nähe, ich höre sie ja noch.
  • Bleiben Sie an dem Ort, an dem der Hund zuletzt gesehen wurde. Da sollten Sie schon zwei bis drei Stunden ausharren.
  • Veranlassen Sie, dass jemand zuhause die Stellung hält und/oder verständigen Sie Ihre Nachbarn. Denn viele Hunde laufen selbstständig nach Hause.
  • Kommt Ihr Hund auch nach zwei bis drei Stunden nicht an den Ausgangsort zurück, so informieren Sie Tierheime, am Land auch die örtliche Jägerschaft. Gehen Sie bekannte Spazierwege ab und rufen Sie ihn, nehmen Sie auch befreundete Hunde mit. Ist der Vierbeiner bei einer Datenbank gemeldet, so erhalten Sie vermutlich bald Nachricht vom Finder.

 

 

Von Hannelore Mezei