Wenn Stubentiger die Natur genießen drohen auch Gefahren!

Während im Winter selbst begeisterte Freigänger unter den Samtpfoten viel Zeit in der gemütlichen Stube verbringen, drängt es sie in der warmen Jahreszeit hinaus in die Natur. Glücklich kontrollieren sie ihr Revier, gehen auf Mäusejagd, klettern auf Bäume oder lassen sich einfach die Sonne auf den Pelz scheinen. Diese Freiland-Idylle kann jedoch schnell getrübt werden: Verletzungen, Virusseuchen und Parasiten bedrohen freilaufende Katzen in wesentlich größerem Ausmaß als reine Stubenkatzen.

Raufereien hinterlassen Spuren

Während weibliche Katzen hauptsächlich um das Revier kämpfen, machen sich Kater auch die Rangordnung durch Raufereien aus. Und diese hinterlassen oft Spuren – bei Gewinnern und Verlierern! Kleine Verletzungen sind schnell gebissen oder gekratzt. Leider entwickeln sich aus auch noch so kleinen Biss- und Kratzwunden häufig Abszesse. Der Grund dafür ist, dass Bisswunden äußerlich oft kaum zu sehen sind, jedoch durch die Reißzähne tiefe Wundtaschen in die Tiefe gerissen werden. Da Katzenzähne stark verkeimt sind, gelangen diese Keime durch die kleine Wundöffnung in die Tiefe und vermehren sich dort schnell und führen zur Bildung eines Abszesses. Anfangs sind Abszesse für den Tierhalter nicht leicht zu entdecken. Meist nimmt er zuerst beim Streicheln seines Lieblings eine Beule wahr, die derb und fest ist und sich im Laufe der Zeit vergrößert. Schließlich fühlt sie sich wärmer als der übrige Körper des Vierbeiners an, wird weich und gibt auf Druck nach. Gleichzeitig fällt auch die allgemeine Veränderung des Tieres auf: Es liegt den ganzen Tag müde und lustlos umher und verweigert die Nahrung. Auch Fieber kann sich einstellen.

Rauffreudige Kater tragen oft Verletzungen in Augennähe davon, die sich leicht mit Bakterien infizieren können. Wenn daraus Abszesse entstehen, bahnen sich diese einen Abfluss in den Bindehautsack. Meist ist nur ein Auge betroffen; der Eiter quillt dann wie bei einer eitrigen Bindehautentzündung zwischen den Lidern hervor. Dann muss der Tierarzt eingreifen. Er verabreicht Antibiotika und muss oft auch das Abszess chirurgisch öffnen, damit der Eiter ganz abfließen kann.

Aber auch Abszesse an anderen Körperstellen öffnen sich nur höchst selten von alleine nach außen. Unbehandelt gefährden sie die Gesundheit des Vierbeiners. Denn die Bakterien und ihre Giftstoffe können sich über das Blut in alle Organe ausbreiten und vergiften den ganzen Organismus – es kommt zur lebensbedrohenden Blutvergiftung. Diese gefährliche Komplikation lässt sich nur durch rechtzeitige Behandlung verhindern. Der Tierarzt spaltet das Abszess mit einem raschen Schnitt, so dass der Eiter abfließen kann. Weiter muss das Tier antibiotisch versorgt werden. Wichtig ist, dass die Wunde durch regelmäßige Bäder – zum Beispiel mit Käsepappeltee – offen gehalten wird, damit Luft dazukommt und das Abszess von innen nach außen abheilen kann.

Gelegenheit für Raufereien einschränken

Gelegentliche Raufereien zwischen freilaufenden Katzen lassen sich kaum vermeiden. Aber man kann zumindest versuchen, deren Häufigkeit zu vermindern. So ist zum Beispiel die Kastration ein wichtiger Beitrag, nicht nur ungehemmter Vermehrung vorzubeugen, sondern auch die Aggressionsfreudigkeit einzudämmen. Da die meisten Raufereien in der Nacht stattfinden, sollte man darauf achten, Katzen zumindest nachts im Haus zu behalten.

Mit Impfungen Virusseuchen vorbeugen

Auch die widerstandsfähigste Katze – egal ob Stubenkatze oder Freilaufkatze – ist gegen Viruserkrankungen machtlos. Und obwohl man Stubenkatzen die Erreger an Schuhen und Kleidern mitbringen kann, ist die Gefahr, sich mit Virusseuchen anzustecken, für freilaufende Samtpfoten größer. Besteht für sie doch jederzeit die Möglichkeit, mit ungeimpften kranken Streunerkatzen in Kontakt zu kommen. Katzenseuche, Katzenschnupfen, Leukose und FIP (ansteckende Bauchfellentzündung) sind nach wie vor eine lebensbedrohende Gefahr für unsere Katzen. Nur regelmäßige Impfungen können Ihre Samtpfote dagegen schützen. Im Gegensatz zu Stubenkatzen müssen  freilaufende Katzen auch gegen Tollwut geimpft werden.

Infektion mit Würmern über Beutetiere

Bei freilaufenden Katzen ist eine Infektion mit Würmern im Allgemeinen nicht zu verhindern. Denn die typischen Beutetiere der Samtpfoten – Amphibien, Reptilien, Vögel oder Kleinsäuger – wie zum Beispiel Ratten und Mäuse – sind Zwischenwirte für verschiedene Wurmarten. Fangen und fressen die Katzen solch ein Beutetier, stecken sie sich mit  verschiedenen Wurmarten an: Spulwürmer, Lungenwürmer, Bandwürmer, ja sogar der auch für den Menschen sehr gefährliche Fuchsbandwurm werden auf diesem Weg auf Katzen übertragen. Es ist daher besonders wichtig, Freigängerkatzen zumindest alle drei Monate mit einem Breitband-Wurmmittel zu entwurmen.

Gesundheitsrisiko „Floh und Zecke“

Während es bereits allgemein bekannt ist, dass Zecken auf Katzen gefährliche Erkrankungen übertragen, haben Forscher nun herausgefunden, dass auch Flöhe Viruserkrankungen auf Katzen übertragen können. Abgesehen davon, sind sie auch noch Zwischenwirte für den Bandwurm und Verursacher der quälenden Flohallergie. Dem Befall mit Flöhen und Zecken kann und muss man daher vorbeugen. Kompetente Beratung bezüglich Entwurmungsmitteln sowie Floh- und Zeckentropfen finden Sie bei Ihrem Haustierarzt oder Ihrer Haustierärztin.

Von Dr. med. vet. Herta Puttner